Das Wort Technikunterricht ist für einige sicherlich ein Fremdwort. In meiner eigenen Schulzeit gab es vier Jahre lang das mysteriöse Fach WAT: Wirtschaft – Arbeit – Technik.

Wir lernten also in der achten Klasse, wie man Überweisungsträger ausfüllt, Abschreibungen berechnet, günstig ein Buffet zusammenstellt und wie das mit den Steuerklassen funktioniert. Aber der Technik-Anteil? Dem begegneten wir in WAT nie. Erst während meines Praxissemesters an einer Gemeinschaftsschule konnte ich mal in einem richtigen Werkunterricht hospitieren und war ziemlich begeistert. Die Kinder bastelten selbständig ein Vogelhaus, der Lehrer gab nur Hilfestellungen. Der Unterricht lief wie von selbst und am Ende hielt jedes Kind etwas, das es vollkommen allein gebaut hatte, in den Händen – und war darüber wirklich ziemlich glücklich.

Lange Rede, kurzer Sinn. Technikunterricht kommt an vielen Schulen zu kurz – und selbst dann beschränkt er sich meist auf die guten alten Klassiker Holz und Nägel. 3D-Drucker in der Schule? Für sehr viele Lehrer*innen und Schüler*innen undenkbar – dabei werden 3D-Drucker in Zukunft sicherlich so einige Branchen beherrschen. Warum also eigentlich nicht doch moderne Technik an die Schulen bringen? Das dachten sich auch Sebastian und Christian. Beide kommen aus der sächsischen Provinz, aus der Gegend, in der man Sorbisch spricht und wo der nächste Supermarkt locker 15 km Autofahrt entfernt ist. 3D-Drucker oder vielfältigen Technikunterricht findet man in den Schulen dieser Gegend wohl kaum, ebenso wenig wie rosige Jobchancen. Deshalb gingen Sebastian und Christian nach der Schule auch erstmal in verschiedene Städte zum Studieren und dann gemeinsam nach Berlin, wo sie ein Design Studio gründeten. Das enthielt ziemlich viel an dem, was man sich unter dem Schlagwort Internet of Thinks so vorstellen kann. Aber im Jahr 2013 entschieden sie sich dazu, in ihre Heimat zurückzukehren und ein einzigartiges Projekt auf die Beine zu stellen: das Fabmobil.“Das Fabmobil“, so heißt es auf ihrer Website fabmobil.org, „ist ein fahrendes Kunst-, Kultur und Zukunftslabor für die Oberlausitz. Es ist ein mit Digitaltechnik und Werkzeugmaschinen ausgestatteter Doppeldeckerbus und bietet Workshops und Kurse an – für Kids, Jugendliche und darüber hinaus. Ziel des Fabmobils ist es, Creative Technologies wie 3D Druck, Virtual Reality, Robotik und Programmierung in ländlichen Raum zu bringen. Zur Vitalisierung und Aktivierung bestehender Angebote und zum Aufbau neuer, digital und zeitgenössischer Kultur- und Erlebnisformate.“

Das Team vom Fabmobil bringt also Technikunterricht auf vier Rädern in ländlich gelegene Schulen und bietet den Kindern dort alles, was das Herz begehrt: 3D-Scanner und -Drucker, mobile Apps, physical computing, eine Lötstation und Fräse, digitale Kultur und vieles mehr. In dem Doppeldeckerbus finden Kinder und Jugendliche genügend Raum, um ihre Ideen zu verwirklichen. Das einzige Problem: Kaum eine Lehrperson ist bereit, für diesen mobilen Technikunterricht Zeit zu opfern, weshalb das Fabmobil bisher in erster Linie im Rahmen von Freizeitangeboten oder Projekttagen genutzt wird. Außerdem gibt es so einige Schulen, die das Fabmobil gern zu sich holen würden, sodass das Fabmobil mittlerweile schon eine Art Tourliste mit allen Terminen und Schulen hat, die es in nächster Zeit besuchen wird. Darunter sind Schulen in Bautzen, Hoyerswerda, Görlitz – um ein paar bekanntere Namen aus der Gegend zu nennen. Das Projekt floriert so sehr, dass es sogar auf der Re:publica vertreten sein wird, schon für einige Preise nominiert wurde und auch im Podcast Ostwärts ausführlich darüber berichtet bzw. der Alltag des Teams begleitet wurde. Falls dich das Thema gepackt hat und du dir noch so einiges dazu anhören möchtest, findest du hier die Folge des Podcasts.